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Spielen mit der Kunst

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Peter Arter (73) bringt Kunst in die Natur.

Ich habe Freude am Kreativen, jedoch würde ich mich selbst nicht als Künstler bezeichnen, eher als Kunstschaffender. Ein Künstler ist für mich jemand, der viele Techniken beherrscht und ein bestimmtes Metier gelernt hat, so wie eine Art Lehre. Vor diesen Menschen habe ich grosse Achtung. Doch für mich wäre das nichts. Künstler verkaufen ihre Kunstwerke auch und leben von ihrem Beruf. Bei mir ist das nicht der Fall. Ich war Buchhändler und jetzt bin ich Rentner. Wenn ich etwas fabriziere und mich jemand fragt, ob ich Kunst mache, -so antworte ich mit Nein, das ist keine Kunst, es ist eine Lebensform. 

In den 60-er Jahren begann ich meine Buchhändlerlehre. 1968 bin ich dann sozusagen in die Aufbruchstimmung hineingerutscht. Kunst bekam auch eine neue Bedeutung. Es war nicht mehr nur die Kunst in den Museen. Damals lebte ich in einer WG, dort habe ich gezeichnet und auch schon Installationen gefertigt. Einen Filmkurs an der ETH habe ich auch belegt, doch als die Digitalisierung aufkam, verlor ich das Interesse und den Anschluss. Mir hat das Handwerkliche sehr gefallen, die Technik des Filme-Zusammenschneidens, die dann durch die Digitalisierung vernachlässigt wurde oder gar verloren ging. Doch die Kunst begleitet mich bis heute und die Kunst wird von der Sprache begleitet. 

Die Inspiration für die Installationen kommt von überall. Meist von älteren Gegenständen, die eine Geschichte mit sich bringen. Gegenstände haben so eine Art Fingerabdruck und sind somit nicht neutral. Es ist spannend, ihnen ein neues Kleid zu verpassen, oder gar zu versuchen, sie wieder zu neutralisieren.

Heute stelle ich immer wieder für kurze Zeit meine Installationen im Wald oder auf einer Wiese auf. Ich will mit ihnen eigentlich nichts Bestimmtes ausdrücken, es soll aber bei den Betrachtern Freude oder auch Irritation auslösen. Mit der Zeit haben sich auch gewisse Schwierigkeiten ergeben, denn ich finde fast keine Plätze mehr, um meine Installationen aufzustellen. Mit dem Alter ist es auch schwieriger, die grossen Objekte im Wald aufzurichten. 

Meine Installationen sind oftmals aus Totholz oder sonstigem Material mit einer Geschichte dahinter. Unter anderem nehme ich lange Holzstecken und versuche sie so zueinander zu stellen und aufzubauen, dass sie sich in einander verkeilen. Sie werden immer grösser und ragen über den Köpfen der Betrachter. Wenn die Konstellation fertig ist, ergibt sich ein interessantes Bild aus verschiedenen Holzstecken, die sich zu einem einzigartigen Objekt gefügt haben. Früher war ich noch mutiger, was das Zusammenbauen angeht. Ich habe einfach angefangen etwas zusammenzustellen, und hatte keine Ahnung ob es hält. Heute sind die Werke sicherer, aber eben auch langweiliger. Fairerweise muss man sagen, dass sie früher auch schneller wieder zusammengefallen sind und nicht gehalten haben. 

Neben den Holzinstellationen mache ich auch Ausstellungen. Im Moment gerade die Ausstellung Kabinetto. Im Gegensatz zu Ausstellungen sind Aufträge für meine Kunst eher selten.

Arbeiten tue ich lieber allein. Es könnte mir ja gar niemand helfen. Ich weiss ja selbst nicht, was ich da genau mache. Die Dinge entstehen einfach. Es fällt mir auch schwer an Gesamtausstellungen teilzunehmen, die eine bestimmtes Thema abverlangen. Oftmals verfehle ich es oder verstehe gar nicht erst, was verlangt wird. Ich mag es auch nicht, wenn man mir sagt, was ich zu tun habe. Zeichnen mag ich auch, besonders auf Zeitungen wie der NZZ oder die Zeit. Die Illustrationen sind oft ornamenthaft, so dass man damit spielen kann. Es macht mir Freude damit zu spielen. Es ist meine eigene Art. Am liebsten ist es mir, wenn ich schon etwas habe, mit dem ich arbeiten kann und nicht etwas neu erfinden muss. Fast ein wenig dilettantisch, aber nicht auf schlechte Weise. Die Kreativität bleibt dennoch erhalten. Mir persönlich ist die Kunst und kreative Freiheit sehr wichtig und ich hoffe ich konnte dies in diesem Interview auch zeigen.

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« Alle waren geschockt, weil es sicher schwierig werden würde, eine neue Wohnung zu finden »

Stauffacher Besetzung

Name: Beat

Alter: 65

Als ich 25 Jahre alt war, waren die Wohnungen in Zürich wieder einmal viel zu teuer. Vor allem für uns junge Erwachsene und Studenten war es unmöglich, eine geeignete Wohnung zu finden. Ich war damals Primarlehrer und das Leben in Zürich war für viele von uns zu teuer. In den vereinzelten Häusern, die noch nicht so „gestylt“ waren, entstanden meistens WGs. Am Stauffacher wohnte ich in einer WG mit meinen Mitbewohnern. Wir hatten ein friedliches Zusammenleben mit einem aktiven Kulturleben. In einem kleinen Hinterhaus gab es Filme, eine kleine Bar und Konzerte für alle Bewohner dieser Gegend.

1984 kam dann der Abbruchentscheid. Wir alle waren geschockt, weil es sicher schwierig werden würde, eine neue Wohnung zu finden. Wir hatten schon von anderen Besetzungen in Zürich gehört, deswegen kam die Idee auf, auch unser Haus zu besetzen. Mit der Besetzung wollten wir gegen die teuren Wohnungen in Zürich protestieren. Alle waren begeistert von dieser Idee und brachten auch Freunde mit, die bisher nicht in dieser Gegend gewohnt hatten. Wir planten alles ganz genau, holten Helfer herbei und entwarfen auch ein Kennzeichen. Das Kennzeichen war eine spitzige Maske, diese trugen wir alle bei der Besetzung – auch damit uns die Polizei nicht erkannte. Vor der Besetzung brachten wir viele unserer Sachen weg, denn wir mussten damit rechnen, dass wir vor der Polizei flüchten müssen. Viele von uns wohnten bereits in diesem Haus, auch ich, doch bei der Besetzung zogen dann noch alle Freunde, die ebenfalls mitmachen wollten, bei uns ein. Es gab eine Zeit, in der alle in das Haus kommen konnten. Später aber wurde alles von uns mit Barrikaden und Schlössern verschlossen. Nun wohnte ich mit etwa 30 anderen Leuten in dem besetzten Haus. Das Ganze dauerte ein paar Tage, die für mich sehr schnell vorüber gingen. Wir spielten Spiele und hatten es lustig zusammen, doch die Anspannung war spürbar, denn jederzeit konnte das besetzte Haus von der Polizei gestürmt werden. Mein Highlight am Tag war immer der Morgen, als wir einen grossen Sack Müsli hochziehen mussten. Das war nötig damit wir die Türe nicht öffnen mussten. Die Aufgaben im Haus haben wir uns aufgeteilt. Einige waren fürs Kochen zuständig und andere für die Unterhaltung. Als es dann soweit war und die Polizei kam, ging alles schnell. Sie kamen einfach rein, denn die Barrikaden hatten nicht so viel genützt, wie wir uns das vorgestellt hatten. Die meisten kamen übers Dach und versuchten uns festzuhalten. Wir machten es ihnen aber nicht einfach und versperrten die Räume, indem wir uns alle an den Händen hielten und sie nicht durchliessen. Dann wurden wir abgeführt und ich wurde ins Kasernenareal gebracht. Dort wurde ich über meine Rechte aufgeklärt.

Es gab für viele von uns einen Eintrag ins Strafregister. Für mich waren die Konsequenzen sehr gross, denn ich konnte 2 Jahre nicht mehr als Primarlehrer arbeiten. Ich würde die Besetzung aber wieder machen und bereue es nicht, denn die Wohnungen in Zürich sind immer noch zu teuer und man muss etwas dagegen unternehmen. Das Problem ist noch nicht gelöst.

-Marika

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Wenn mich heute jemand fragt, wo mein Zuhause ist, antworte ich Zürich

„Man spürt einfach, dass man nicht willkommen ist.“, sagt A.A (44)

https://www.untersee-nachrichten.ch/untersee-region/detail/article/jede-oder-jeder-dritte-mit-migrationshintergrund-00195277/#!mediaoverlay/gallery_2134/0

Angst. Acht Jahre ist es nun her, dass dieses Gefühl zu einem meiner meist gefühlten wurde. Ich hatte Angst, dass ich hier nicht reinpasse, dass ich die Sprache nicht lerne und mein Leben nicht richtig organisieren kann. Acht Jahre ist es nun her, dass ich mit meiner älteren Tochter und meiner jüngeren Tochter, die damals noch im Bauch war, von Algerien in die Schweiz gekommen bin. Mein Mann lebt schon seit 25 Jahren hier, lange Zeit haben wir auf Distanz gelebt, doch irgendwann ging das einfach nicht mehr. Deshalb bin ich nun hier.

Ich hatte nicht wirklich einen ersten Eindruck von der Schweiz, es waren viel mehr ganz unterschiedliche Gefühle. Aber etwas, das mir aufgefallen ist, ist, dass alle Menschen – ah, wie sagt man das? –  dass alle Menschen so „streng“ sind. Sie sagen immer zu allem nein und planen alles durch. In Algerien war das nicht so, dort ist es normal, dass man einfach einmal macht. Ich glaube, vor allem diesbezüglich habe ich die Angst gespürt. Ich hatte Angst, dass ich mich dem Verhalten der Schweizer*innen nicht anpassen kann. 

Etwas anderes, das mir auffällt, ist das mit den alten Menschen. Weisst du, ich glaube die alten Menschen hier hassen alle Ausländer*innen. Ich bekomme das die ganze Zeit zu spüren, zum Beispiel wenn ich Bus oder Tram fahre. Mehrmals wurde ich auch schon angegriffen von alten Leuten, wenn ich am Telefon war und sie gehört haben, dass ich nicht so gut Deutsch spreche. Einmal hat mich jemand im Tram angeschrien, dass ich eine „scheiss Ausländerin“ sei und „zurück in mein Land“ solle. Ich könne ja nicht mal die Sprache, sagte er.  Manchmal, wenn mich fremde Menschen angreifen, verstehe ich nicht einmal, was sie sagen. Als ich einmal mit einer Freundin unterwegs war, das ist einige Jahre her, hat mir eine alte Frau „Arschloch“ hinterhergerufen und meine Freundin hat mich ganz entsetzt angeschaut, doch ich habe nur mit den Schultern gezuckt, weil ich eh nichts entgegnen konnte. Auch mit meinen Töchtern erlebe ich solche Situationen oft. Vor allem meine jüngere Tochter ist sehr aktiv, sie rennt immer herum. Wenn ich mit ihr im Zug bin, werfen mir alte Menschen die ganz Zeit Blicke zu und rollen mit den Augen. Man spürt einfach, dass man nicht willkommen ist. Darum habe ich jedes Mal Angst, wenn ich Tram oder Bus fahre und wenn eine alte Person einsteigt, drehe ich mich weg. Die ersten Jahre, in denen ich hier war, war es schlimmer.  Solche Situationen, in denen ich beleidigt werde, weil ich nicht von hier bin, werden immer weniger. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich verstanden habe, wie das Leben hier funktioniert und mich dem angepasst habe. 

Für mich ist die Schweiz trotzdem das beste Land. Ich liebe alles hier. Die Natur mit den vielen Seen und Bergen gefällt mir besonders gut. Die Schweiz ist aber auch sehr gut organisiert, das ist fantastisch. Das einzige, was ich an Algerien vermisse, ist meine Familie. Die vermisse ich wirklich sehr. 

Das eigene Land zu verlassen, sich mit den fremden Kulturen anzufreunden und sich zu integrieren, ist nicht einfach. Doch ich hatte sehr viel Glück. Es gab viele Menschen, die mir direkt geholfen haben, mich zurechtzufinden. Jetzt habe ich viele Freund*innen hier, mein Mann und ich arbeiten und unsere Töchter gehen zur Schule. Wenn mich heute jemand fragt, wo mein Zuhause ist, antworte ich Zürich. Mein Zuhause ist hier und Angst davor, nicht reinzupassen und nicht integriert zu sein, habe ich heute keine mehr.

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Es wird nie so sein wie zu Hause, aber deswegen geht man ja.

Silva Durrer, 60 Jahre alt.

Seit 33 Jahren wohne ich jetzt schon in Australien. Das ist mehr als mein halbes Leben!

Dabei vermisse ich die Schweiz ehrlich gesagt überhaupt nicht, ich kann gut ohne Schnee leben. Eine Zeit lang habe ich das Essen vermisst, doch jedes Mal, wenn ich zurückkomme, ist es für mich nicht mehr so gut wie in der Erinnerung. 

Es begann alles, als ich mit 27 Jahren für sechs Monate nach Singapur ging, um dort Ferien zu machen. Jedoch bekam man als Kaufmänische Angestellte nur ein Visum für einen Monat. Also musste ich immer nach einem Monat wieder kurz ausreisen. Aus diesem Grund habe ich viele verschiedene Ausflüge nach Malaysia und Thailand gemacht. Auf diesen Reisen lernte ich einen Australier kennen, der meinte, ich solle doch mal nach Australien kommen. Daraufhin ging ich in meinen nächsten Ferien nach Australien und reiste dort umher. Während dieser Reise entwickelte sich die Freundschaft zu dem Australier zu einer Liebesbeziehung. Nach längerer Zeit mussten wir  entscheiden, wo wir wohnen wollten, in der Schweiz oder in Australien. Wir entschieden uns für Australien.

Dieser Umzug brachte natürlich viele Hindernisse mit sich.

Als Erstes der Papierkram, der sehr aufwändig war. Denn viele versuchen durch eine schnelle Heirat mit einem Australier einzuwandern. Wir brauchten darum von unseren Familien und -Angehörigen eine Bestätigung für die Behörde, dass wir wirklich geheiratet hatten und zusammenlebten.

Der Papierkrieg dauerte dann noch weitere neun Monate, in denen ich Gesundheitstests etc. vorweisen musste. Ausserdem durfte ich nicht arbeiten, hatte keine Krankenversicherung und durfte nicht aus dem Land gehen. Nach dieser Zeit bekam ich die Aufenthaltsgenehmigung und erst nach einem Jahr durfte ich die australische Staatsbürgerschaft beantragen.   

Die nächste Hürde war für mich, einen Job zu finden, da mein KV-Abschluss in Australien nicht anerkannt wird. Daraufhin habe ich mich weitergebildet, als Fashion Designerin «Dress making», bin aber später aus finanziellen Gründen trotzdem ins Büro zurückgekehrt. Momentan arbeite ich im Büro und nebenbei als Tanzlehrerin. 

Das grösste Hindernis war jedoch die Sprache. Denn ich konnte nicht gut genug Englisch, um eine normale Konversation zu führen. Manchmal wurde ich beim Einkaufen nicht bedient, weil die Verkäufer:innen mich nicht verstanden hatten. So musste ich mir immer vor dem Einkaufen die Wörter und Sätze schon zurechtlegen. Aber dank dem Fernsehen und dem Anschauen von Videos auf Englisch sowie einer sechsmonatigen Englischschule habe ich es dann doch geschafft,  mich zu verständigen

Schlussendlich würde ich es trotz der Hindernisse wieder machen, denn ich könnte es mir nicht mehr vorstellen, in der Schweiz zu leben.

Und für jeden, der auswandern will:

Wenn man es wirklich will, dann geht das auch. «Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg». Der ist wahrscheinlich nicht einfach, aber er lohnt sich. Es wird nie so sein wie zu Hause, aber deswegen geht man ja. Entweder man macht dann das Beste draus oder wenn es einem nicht passt, geht man wieder nach Hause zurück.

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Der Krebs war mein Untermieter und ich habe ihm den Mietvertrag gekündet

Mit 38 Jahren wurde bei mir Brustkrebs diagnostiziert.

Nachdem ich bei einer Untersuchung von meiner Frauenärztin aufgefordert worden war eine Mammografie (eine Methode zur Früherkennung von Brustkrebs) zu machen, stellte man fest, dass ich einen Tumor hatte. Mir wurde durch eine Stanzbiopsie Flüssigkeit entnommen und daraufhin wurde die Diagnose gestellt. Anschliessend war ich circa eineinhalb Jahre in Behandlung.

Als mir die Diagnose gestellt wurde, war ich natürlich im Schock. Ich war daraufhin auch ständig bei Ärzten und hatte unzählige Untersuchungen. 

Die Behandlung begann mit einer Operation und anschliessend mit Chemotherapie und Bestrahlung. Die Chemotherapie hatte starke Auswirkungen auf meine Gesundheit und auch auf mein Arbeitsleben. Ich habe aber trotz der Auswirkungen auf meine Gesundheit nicht aufgehört zu arbeiten. Die wöchentliche Chemotherapie war immer freitags, wodurch ich mich über das Wochenende ein bisschen erholen konnte, bevor ich dann montags wieder arbeiten ging. Das Ziel der Chemotherapie war es, die bösen Zellen zu zerstören, was auch funktionierte, aber gleichzeitig wurden auch gesunde Zellen getötet. Das hatte zur Folge, dass mir die Haare ausfielen und ich eine Glatze bekam. Ansonsten hatte ich auch Knochenschmerzen, ständige Müdigkeit und was für mich am schlimmsten war: die dauernde Übelkeit. Nach der Chemotherpie wurde ich auch noch täglich, jeden Morgen bestrahlt. Es sind schon sehr grosse Einschränkungen, die so eine Krankheit mit sich bringen.

Wenn ich jetzt im Nachhinein meine Krebszeit reflektiere, war es selbstverständlich eine schlimme und schwere Zeit, aber es gab nicht nur die schlechten Seiten. 

Beim ersten Blick sieht man immer nur das Schlechte, wie zum Beispiel, dass ich meine Haare verloren habe. Dadurch habe ich aber auch gelernt, das mir eine Glatze ausgezeichnet steht. Und ich habe gelernt, wer meine wahren Freunde sind und wer zu mir steht, auch in den schweren Zeiten.

Heute hat der Krebs keinen Einfluss mehr auf mein Leben. Der Krebs war mein Untermieter und ich habe ihm den Mietvertrag gekündigt. Ich habe auch keine Angst mehr, dass der Krebs zurückkommt. Natürlich wäre es laut Medizin und den Ärzten möglich, und ich bin mir auch bewusst, dass er jeden Tag zurückkehren könnte, aber ich bin der festen Überzeugung, dass er nicht zurückkommt. Ich ernähre mich gesund, mache Sport und achte auch gut auf mich und es sind jetzt schon mehr als 10 Jahre her, dass ich den Krebs besiegt habe. 

Ich habe gelernt, gut auf meinen Bauch zu hören und mir Zeit für mich zunehmen, wenn ich sie brauche. 

Ich möchte damit sagen, ja Krebs ist eine schlimme Diagnose, aber es lohnt sich, den Weg zu gehen, auch wenn er manchmal steinig und unbestreitbar scheint. Ich habe es geschafft und mir geht es wieder sehr gut.

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Suche nach dem Zuhause

Mathias Kaiser

(eine Fahne im Wind )

Ich wurde 1975 in „Bourgogne“ Frankreich geboren, nur 9 Minuten nach meinem älteren Bruder. So hat es angefangen, dass ich in meiner Kindheit immer an zweiter Stelle nach ihm kam. Er war in allem besser, zumindest in den Augen meines Vaters, der sehr traditionelle Vorstellungen hat und ihm der erstgeborene Sohn wichtig war. Dadurch fühlte ich mich nie wirklich Zuhause bei meiner Familie.

Mit 6 hörte ich zum ersten Mal ein „Violoncelle“ Konzert und war fasziniert, seit dem spiele ich das Instrument. Ich denke, dass es damals mein Ausweg von der Realität war, ich verlor mich manchmal stundenlang in der Musik, wenn es Konflikte zu Hause gab oder ich mich einsam fühlte. 

Als ich 18 wurde, zog ich nach Paris, da es schon immer ein Traum gewesen war. Ehrlich gesagt wäre ich irgendwo hingezogen, ich mochte das kleine Dorf nie und wollte ganz unabhängig von meiner Familie neu anfangen. Mein Vater hätte mich finanziell unterstützt, wenn ich, wie er es gern gehabt hätte, studiert hätte, doch das wollte ich nicht und hatte danach wenigen Kontakt zu meiner Familie.

Ich blieb nur ein paar Jahre in Paris, es war nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte, das ganze hatte ich auch nicht ganz durchdacht. Ich war gerade erst 18 geworden und studierte auch nicht, ich war auf gut Glück planlos umgezogen. Neue soziale Kontakte zu machen und meinen Unterhalt bezahlen können war schwerer als gedacht ohne feste Jobstelle. Ich hatte mehrere kleine Jobs, die ich regelmässig wechselte und mit denen ich knapp durchkam. Für eine Zeit lang machte ich sogar Strassenmusik mit meinem Cello, allerdings verabscheute ich es, das Cello war für mich schon immer etwas Graziöses und stilvolles gewesen. Wie die Leute die Musik gar nicht beachteten und auf einen herabschauten, fand ich respektlos.

Schliesslich musste ich beschämt davon und verletzt auch dort kein Leben aufbauen aufzubauen zu können , zurück zu meinem Vater und ihn nach finanzieller Hilfe zu bitten. Er bezahlte mir eine schöne Wohnung in Lyon, damit ich, wie er wollte, dort studieren konnte. Allerdings verschlechterte sich meine Beziehung zu meinem Vater schnell wieder, als ich nach dem Studium wieder umherreisen wollte und sehen, was auf mich zukam. Schliesslich landete ich in Zürich (wo ich seither auch wohne), ich nahm eine feste Stelle an, die ich wieder kündigte, als ich versuchte meine eigene Firma zu gründen. In den folgenden Jahren war es immer das gleiche: Ich arbeitete irgendwo, kündigte dann wieder, ging für einige Monate reisen, kam wieder zurück, mit einer neuen Idee von einem Konzept oder Firma, die meistens scheitert und fange wieder von vorne an. Menschen empfinden mich als positiven Mensch, allerdings auch etwas durchgedreht, wodurch ich immer wieder das Gefühl kriege, nicht ganz ernst genommen zu werden. 

Ich weiss nicht, ob es an meiner Kindheit liegt, aber ich wechsle so oft Dinge, weil ich mich nirgends 100 % Zuhause fühle und bis heute noch vergebens nach dem suche. Auch was Liebe angeht, hatte ich selten eine feste Beziehung. 

Vor 4 Jahren trat ich in eine Kirche ein und seitdem gibt es mir ein gewisses Gefühl von Angehörigkeit und Stabilität. Viele meiner Bekanntschaften wunderten sich darüber, da ich zuvor nie religiös gewesen war, doch für mich war es genau die richtige Entscheidung und ich habe das Gefühl irgendwo dazu zugehören und verstanden und akzeptiert zu sein, ohne dass mich jemand verurteilt.

-Yanusha Roesch 

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In unserem Dorf, das hiess Polimilos, gab es einen Hügel. Auf diesem Hügel standen mein Haus und ich. Es gab nur das, was ich von dem Hügel aus sehen konnte. Heute lebe ich nicht mehr in Griechenland, wenn man jung ist, und das war ich, dann versucht man nun einmal nach den Sternen zu greifen. Und für mich war dies, das Verlassen meiner Heimat, Famile und allem, was ich je gekannt hatte.

Ich war damals der einzige Gymnasiast in unserer ganzen Gemeinde. So fuhr ich täglich in die weiterführende Schule in der nächsten Ortschaft. Natürlich war es trotzdem schwer, zum ersten Mal so weit fortzugehen, vielleicht hatte ich die Schwierigkeiten einer ersten, so grossen Reise auch unterschätzt. Aber ich wusste, dass ich die Felder Yorgos, meinem Bruder überlassen konnte, während es mir möglich werden würde, mich in Deutschland meiner Bildung zu widmen. Ich musste nur noch die Sprache können, dann dürfte ich gehen.

Natürlich hatte ich die deutsche Sprache, selbst wenn ich Griechenland bisher niemals verlassen hatte, schon gehört. Ich war jünger gewesen, noch jünger. Das Jahr war 1941. 1941 passierten die Deutschen die griechische Grenze. Es gibt Vieles aus dieser Zeit, an das ich mich nicht erinnern kann, aber einige Bilder werde ich immer beibehalten. Sie kamen über den Norden, auch durch mein Polimilos, mit dem Ziel in die grösseren Städte im Süden vorzudringen.

Sie stiegen sogar meinen Hügel hoch.

Eine Truppe Deutscher mit ihrem Offizier und in Begleitung von zwei Italienern. Allesamt wohnten sie dann plötzlich bei uns, der Offizier im unteren Stock und seine Männer teilten sich eines unserer vorherigen Schlafzimmer. Mit ihnen sprachen wir nicht, so wie Mutter es uns eingetrichtert hatte. Bei den Italienern, die neben dem Zimmer, in das wir nun gepfercht waren, einquartiert waren, war unsere Neugier stärker. Abends musizierten sie, sangen und lachten ab und an plötzlich laut auf. Wenn sie uns sahen, gaben sie uns Schockolade-, oder Süssigkeiten, -von denen wir zuvor noch nie etwas gehört hatten. Ich wollte mehr.

Die Deutschen gingen 1944 wieder, wir waren glücklicherweise auch recht ungeschoren davongekommen. Denn natürlich gab es auch Widerstand, immer mal wieder wurde in einem benachbarten Dorf ein Deutscher erschossen. Sie legten also fest, dass für jeden Deutschen, der tot umfiel, zehn Griechen erschossen werden würden. Das schloss alle Jungen, die mindestens 14 Jahre alt waren, ein. Es war zu einem Grossteil unserem Bürgermeister zu verdanken, dass dieser Fall bei uns jedoch niemals eintreffen würde, er konnte nämlich Deutsch sprechen. Und weil er die Sprache beherrschte, konnte er sich mit dem Deutschen Offizier austauschen- und ihn davon überzeugen, dass von den Bürgern in Polimilos- keiner einen Mord begehen würde, und dass das Töten eines Jeden, Unrecht sei. Wie er das geschafft hatte, war mir ein Rätsel, aber immer wenn ich daran zurückdachte, wurde mir bewusst, dass er es ohne die Sprache nicht geschafft hätte. Und bis heute ist mir bewusst, was für ein Geschenk es ist, eine Sprache sprechen zu können, insbesondere wenn man sie klug einsetzt.

Jahre, jetzt kommen sie mir wie wenige vor, aber erst Jahre später zog ich nach München, mit dem Wunsch, Deutsch zu lernen und an einer guten Universität studieren zu können. Es stellte sich als eine schwierige Aufgabe heraus, als junger Grieche- ohne hervorragende Deutschkenntnisse eine Universität besuchen zu dürfen, diese Schwierigkeit führte mich in die Schweiz. Ich hatte von einem Kollegen gehört, dass man an den Universitäten der Stadt Zürich, auch ohne fliessendes Deutsch zu sprechen, studieren konnte, was sie von den deutschen Universitäten unterschied, und so kam mein Wunsch doch in Erfüllung. 

Ich musste in meiner Zeit als Student viel arbeiten, aber ich hatte nie etwas gegen Arbeit. Die Arbeit hatte mich schon begleitet als ich als kleiner Junge in Polimilos bei der Ernte half, und nach dem Studium arbeitete ich auch. Im Finanzgeschäft. Ich hatte es gut getroffen, als ich mich für eine Stelle bei der Schweizerischen Bank Gesellschaft bewarb, die damals ein Kleinunternehmen war. Ich hatte meinen Abschluss an der Universität dann aber doch nicht gemacht, denn es war wichtiger gewesen, Geld für uns, meine Frau und meine Kinder, die ich mittlerweile hatte, zu verdienen. Der damalige Direktor der Bank hatte die Hochschule selbst auch nicht abgeschlossen, also sagte er zu mir: „Lassen wir die Reichen studieren.“ 30 Jahre arbeitete ich weiterhin dort, die finanzielle Not, die mich zum Abbruch meiner Ausbildung verleitete, konnte ich auch im Laufe der Jahre abschütteln. Ich war ein guter Mitarbeiter und tat, was ich tun musste, ich bekam irgendwann auch ein Angebot, welches mir eine Stelle an einer Filiale in New York versprach. 

Doch dieses Mal war mein Entscheid, bei meiner Familie zu bleiben.

Früher konnte ich kaum darauf warten, dass meine Welt zu mehr wurde. Lustigerweise möchte ich jetzt aber noch einmal denjenigen Anblick geniessen. Den von oben, oben auf meinem Hügel.

Portrait über meinen Grossvater; Panajotis Taiganidis

Geschrieben von Penelope Taiganidis

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Manchmal zeigt sich der Weg erst, wenn man anfängt ihn zu gehen

Menka Sharma (40 Jahre alt)

Ich wohne in Indien mit meinen zwei Kindern, welche 12 und 11 Jahre alt sind, meinem Mann und seinen Eltern. Wir stammen aus der Mittelschicht und unsere Kultur unterscheidet sich komplett von der, der Oberschicht. In meiner Familie machen mein Mann und seine Eltern die grossen Entscheidungen. Sie diskutieren zusammen, zum Beispiel, wo wir unser Haus bauen lassen, und ich bin meist nicht Teil dieser Diskussionen.

In meiner Kindheit war ich auch nie an den Diskussionen meiner Familie beteiligt, doch das auch willentlich. Ich entschied über mein Leben und liess mir nie einreden, was ich tun und nicht tun sollte.

Damals war ich komplett anders, wie heute. Ich versuche wieder, so zu werden, wie früher.  Auch wenn Veränderungen gut sind, glaube ich nicht daran, dass eine Person mit inneren Veränderungen besser wird. Die kindliche Seite ist das wahre Innere des Menschen, man sollte sie nie vergessen. Sich selbst sollte man niemals vergessen.

Heute stehe ich um 05:00 Uhr auf. Als erstes gehe ins Wohnzimmer, um den Sonnenaufgang zu sehen und bete mit meiner Familie, da wir Hindu sind. Danach bereite ich das Mittagessen für meine Kinder und meinen Mann vor und packe es ein. Nachdem meine Kinder in die Schule gegangen sind, gehe ich ebenfalls aus dem Haus.

Ich arbeite in der Primarschule als Lehrerin und geniesse den Beruf sehr. Ich möchte meine Arbeit nie aufgeben. Früher arbeitete ich auch im pädagogischen Bereich, doch mir gefiel ein Job nach dem anderen nicht und ich wechselte ständig die Anstellungen. Jedes Mal unterrichtete ich eine neue Klasse und ein neues Fach. Ich mochte es, denn so konnte ich immer Neues lernen. Aber diese Zeit kam zu einemEnde, nachdem ich eine Tochter geboren hatte. Ich liebe sie über alles. Ich sorgte für sie und nach etwa 3 Jahren suchte ich mir wieder eine Stelle. Dort mochte ich es jedoch nicht, weil ich mich ausgeschlossen fühlte. Ich suchte mir danach nochmals eine Arbeit, doch dann stellte ich fest, dass ich lieber jüngere Kinder unterrichten würde, also verliess ich auch diesen Job. Meine Familie und mein Mann sagten mir, ich solle einfach nicht mehr arbeiten. Es sei nichts für mich. Alle sagten mir das Gleiche und ich gab schliesslich auf. Meine Hoffnung wurde vernichtet und eine Zeit lang, hatte ich auf nichts Lust. „Ich werde jetzt mein ganzes Leben eingesperrt in meinem Haus verbringen müssen“, dachte ich mir. Doch mir wurde bewusst, dass ich das nicht wollte, ich wollte das Arbeitsleben nicht komplett aufgeben. Also fokussierte ich mich mehr auf mein Wohlbefinden. Ich wollte mich um mich selbst kümmern, statt immer nur für andere zu sorgen. Ich wollte selbstbewusster werden und kein Schwächling mehr sein. Ich füllte meine Freizeit mit Hausarbeit, sodass ich immer etwas zu tun hatte. Ich wurde zur Perfektionistin. Hautpflege, Haarpflege, Workout, ich versuchte alles Mögliche, um meine Motivation zu behalten, damit ich nicht in Depressionen geriet. Dann veränderte sich mein Leben drastisch. Unser Haus war fertig gebaut worden und wir zogen ein. Die neue Nachbarschaft war nicht so wie unsere alte. Niemand redete mit uns und ich fühlte mich allein. Ich sagte meinem Mann: „Ich kann nicht so weiter leben.“ Er verstand und erlaubte mir, da in seiner Familie und seiner Kultur der Mann einer Frau erlauben muss, arbeiten zu dürfen und ich jetzt dieser Familie angehörte, mich für eine Arbeitsstelle zu bewerben. Ich fand eine Stelle und bemerkte, dass auch in der tiefsten Dunkelheit irgendwo ein Hoffnungsschimmer strahlt, wie ein heller Stern in der düsteren Nacht. Dies war meine eine Möglichkeit, wieder zu meinem alten Leben zurückzukehren und ich wollte sie nicht verlieren. Deswegen, auch wenn mir meine Kinder sagen, ich solle nicht zu viel arbeiten und mein Leben auch geniessen, eine Pause machen, will ich das nicht. Diesen Job werde ich nie verlassen, die Kinder sind niedlich und lerneifrig, was der eigentliche Grund war, weshalb ich überhaupt eine Lehrerin werden wollte. Ich liebe Kinder über alles, ich will sie nicht enttäuschen, und lasse mich dieses Mal von niemandem beeinflussen. Ich bleibe professionell. 

Schliesslich komme ich zurück nach Hause, bereite das Essen zu, erledige die Hausarbeit und verbringe die restliche Zeit mit meinen Kindern. Zwischen 09:00 und 10:00 Uhr werde ich langsam müde und lege mich ins Bett. Mein Leben hört sich zwar stressig an, doch ich würde es nicht anders haben.

Portrait von Cherie Kumar

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Migration in die Schweiz

Mein Name ist Gillian und heute lebe ich in der Schweiz in Rifferswil. Geboren wurde ich aber vor 50 Jahren in der Westküstenstadt Glasgow in Schottland. Im Alter von fünf Jahren zog ich mit meinen Eltern nach Sambia/Afrika. Dort besuchte ich eine öffentliche Schule, in der Englisch gesprochen wurde. Als ich acht Jahre alt war, liessen sich meine Eltern scheiden und meine Mutter zog mit mir zurück nach England. Mit 18 begann ich ein Studium und zog infolgedessen wieder nach Schottland in die Nähe von Edinburgh; später dann an die Westküste nach Largs, um dort zu arbeiten. Dort lebten noch Grossmutter, Tanten und Cousinen.

Da ich nie sehr sportlich, sondern sehr sprachbegabt war, studierte ich Russisch. In der Schule lernte ich aber auch Französisch und Deutsch. Natürlich haben schottische Kinder auch das Fach Englisch. Es ist nicht mit Hochdeutsch im Vergleich zu Schweizerdeutsch zu sehen. Es gibt einige spezielle Wörter im Schottischen, die es im Englischen nicht gibt, aber es ist nur ein Dialekt.Und diese Dialekte klingen von Ostküste zur Westküste und im Norden völlig verschieden.Das bekannte Gälisch spricht man kaum noch; lediglich vielleicht noch auf den Inseln.

Später arbeitete ich in einer internationalen Firma; dort lernte ich meinen zukünftigen Mann kennen. Er ist Schweizer und es gab nur die Möglichkeit, dass er entweder in Schottland blieb oder ich mit ihm in die Schweiz ging. Da ich die Schweiz bei Besuchen erlebt hatte, entschied ich mich dafür, mit ihm zu gehen. Freunde und Verwandte rechneten schon damit. Und mir machte es nichts aus, weil meine Familie ohnehin überall verstreut lebte. Bis heute halte ich noch Kontakt zu Freunden in Schottland. Zudem habe ich die Einstellung, dass man auch immer neue Freunde finden kann; egal wo auf dieser Welt.

Mir war es wichtig unabhängig zu sein. Ich hatte bereits sieben Jahre in der Firma in Schottland gearbeitet. Es dauerte sehr lange, bis ich die Einwilligung bekam, dass ich im gleichen Job in der Schweizer Filiale arbeiten konnte. Somit war ich finanziell unabhängig und hatte auch die Möglichkeit wieder zurückgehen zu können, falls es mir nicht gefallen hätte. Zu diesem Zeitpunkt war ich 28 Jahre alt.

In den letzten Wochen in meiner alten Heimat verbrachte ich sehr viel Zeit mit Packen. Ich musste meine Wohnung auflösen. Es gab eine grosse Abschiedsfeier mit Freunden und Arbeitskollegen. Mein Freund besorgte eine Wohnung und mein gesamtes Hab und Gut wurde mit einer Spedition abtransportiert. 

Ich war sehr nervös. Aber ich freute mich auch darauf, meinen Freund wiederzusehen, da er bereits eine Weile vorher in die Schweiz geflogen war, um alles zu organisieren. Während dem Flug machte ich mir viele Gedanken. Ob ich überhaupt etwas verstehen würde? Ich hatte Deutsch in der Schule gelernt. Das war allerdings mit zehn Jahre her. Ich hatte seitdem nie wieder Deutsch gesprochen. Das verunsicherte mich etwas.

So reiste ich mit nur leichtem Gepäck per Flugzeug in die Schweiz. Es war in der Vorweihnachtszeit.

Mein erster Eindruck nach der Landung in Zürich war für mich sehr frustrierend. Es gab Hochnebel; alles war grau. Ich war sehr enttäuscht.

Zum Glück gefiel mir die neue Wohnung und ich war endlich wieder mit meinem Freund zusammen. Es kam, wie es kommen musste; ich verstand nichts in der Schweiz! Also belegte ich Deutschkurse in der Migros Klubschule. Ich merkte aber auch, dass das gelernte Deutsch mir nicht weiterhalf, wenn es um Schwizerdütsch ging. Mittlerweile beherrsche ich beides oder ein Mischmasch aus beidem.

Für mich war es völlig neu, dass alles in der Schweiz sehr organisiert und strukturiert war. Es war so anders als in Schottland.

Die grösste Hürde neben der Verständigung war für mich der Rechtsverkehr. Ich meisterte meine erste Autofahrt zum Arbeitsplatz meines Freundes durch die ganze Stadt … ohne Unfall. Das überraschte ihn.

Trotz der sehr grünen Hügel in Schottland beeindruckten mich die Berge in der Schweiz. Das Wetter fand ich sehr viel angenehmer und schöner. Während es in Schottland permanent regnete, gab es hier «richtige» Jahreszeiten.

Dort gibt es nie richtige, warme Sommer oder schöne verschneite Wintertage. Ich war überrascht, dass es einen See in Zürich gab. Ich hatte nur gewusst, dass es dort viele Banken gibt.

Auch die schweizer Kultur ist anders. Die Leute sind eher zurückhaltend. Es dauert, bis man Freundschaften schliessst. Schotten sind offener; nicht so zurückhaltend. Sie feiern gerne.Wenn ich heute Schottland besuche, gehe ich gerne zu traditionellen Festen. An diesen werden Ceilidhs (gesprochen: keili:) getanzt. Das sind schottische Tänze zu Volksmusik, bei denen man nicht richtig tanzen können muss. Vor allem zur Weihnachtszeit gibt es oft solche Anlässe. Ich vermisse viele Arten von Lebensmitteln, die es in der Schweiz nicht gibt.

Ansonsten gefällt mir die Schweiz auch deshalb, weil man so viel unternehmen kann. Man kann überall mit dem Auto hin; nach Italien, Deutschland, Österreich, Frankreich, usw. Von Schottland aus muss man alles mit dem Flugzeug machen. Es ist einfach eine Insel! Ich lebte mich sehr schnell in der Schweiz ein. Es half mir, dass mein Freund bereits in der Schweiz war, und dass ich einen Job hatte. Mit den Arbeitskollegen ging ich in den Ausgang und zum Essen. So lernte ich die Sprache schnell. Es gab genügend Kontakte mit Freunden und Familienangehörigen meines Freundes.

Wenn ich meine alte Heimat besuche, merke ich immer wieder, dass die Lebensqualität in der Schweiz eine ganz andere ist. Ich möchte sie nicht mehr missen. Ich bin happy, wo ich bin.

Ich könnte mir nicht vorstellen, je wieder zurückzugehen. Ich bin nun länger hier als Erwachsene als als Erwachsene in Schottland. Es wäre für mich wieder ein grosses Umlernen, wenn ich zurückginge.

Ich könnte mir vorstellen, vielleicht ein Ferienhaus in Schottland zu haben, aber ich möchte nie mehr permanent dort leben.

Die Schweiz ist meine Heimat geworden

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Herzlich willkommen!

Die Klasse 1gM hat Interviews mit Menschen geführt und Porträts über die interviewten Menschen geschrieben.

Inspieriert wurden die Porträts von der Rubrik „Ein Tag im Leben“ im Magazin des Tages-Anzeigers.

Die einzelnen Beiträge findet ihr unter Blog.

https://www.danaashlyn.com/posts/classic-silhouette-portraits