
Peter Arter (73) bringt Kunst in die Natur.
Ich habe Freude am Kreativen, jedoch würde ich mich selbst nicht als Künstler bezeichnen, eher als Kunstschaffender. Ein Künstler ist für mich jemand, der viele Techniken beherrscht und ein bestimmtes Metier gelernt hat, so wie eine Art Lehre. Vor diesen Menschen habe ich grosse Achtung. Doch für mich wäre das nichts. Künstler verkaufen ihre Kunstwerke auch und leben von ihrem Beruf. Bei mir ist das nicht der Fall. Ich war Buchhändler und jetzt bin ich Rentner. Wenn ich etwas fabriziere und mich jemand fragt, ob ich Kunst mache, -so antworte ich mit Nein, das ist keine Kunst, es ist eine Lebensform.
In den 60-er Jahren begann ich meine Buchhändlerlehre. 1968 bin ich dann sozusagen in die Aufbruchstimmung hineingerutscht. Kunst bekam auch eine neue Bedeutung. Es war nicht mehr nur die Kunst in den Museen. Damals lebte ich in einer WG, dort habe ich gezeichnet und auch schon Installationen gefertigt. Einen Filmkurs an der ETH habe ich auch belegt, doch als die Digitalisierung aufkam, verlor ich das Interesse und den Anschluss. Mir hat das Handwerkliche sehr gefallen, die Technik des Filme-Zusammenschneidens, die dann durch die Digitalisierung vernachlässigt wurde oder gar verloren ging. Doch die Kunst begleitet mich bis heute und die Kunst wird von der Sprache begleitet.
Die Inspiration für die Installationen kommt von überall. Meist von älteren Gegenständen, die eine Geschichte mit sich bringen. Gegenstände haben so eine Art Fingerabdruck und sind somit nicht neutral. Es ist spannend, ihnen ein neues Kleid zu verpassen, oder gar zu versuchen, sie wieder zu neutralisieren.
Heute stelle ich immer wieder für kurze Zeit meine Installationen im Wald oder auf einer Wiese auf. Ich will mit ihnen eigentlich nichts Bestimmtes ausdrücken, es soll aber bei den Betrachtern Freude oder auch Irritation auslösen. Mit der Zeit haben sich auch gewisse Schwierigkeiten ergeben, denn ich finde fast keine Plätze mehr, um meine Installationen aufzustellen. Mit dem Alter ist es auch schwieriger, die grossen Objekte im Wald aufzurichten.
Meine Installationen sind oftmals aus Totholz oder sonstigem Material mit einer Geschichte dahinter. Unter anderem nehme ich lange Holzstecken und versuche sie so zueinander zu stellen und aufzubauen, dass sie sich in einander verkeilen. Sie werden immer grösser und ragen über den Köpfen der Betrachter. Wenn die Konstellation fertig ist, ergibt sich ein interessantes Bild aus verschiedenen Holzstecken, die sich zu einem einzigartigen Objekt gefügt haben. Früher war ich noch mutiger, was das Zusammenbauen angeht. Ich habe einfach angefangen etwas zusammenzustellen, und hatte keine Ahnung ob es hält. Heute sind die Werke sicherer, aber eben auch langweiliger. Fairerweise muss man sagen, dass sie früher auch schneller wieder zusammengefallen sind und nicht gehalten haben.
Neben den Holzinstellationen mache ich auch Ausstellungen. Im Moment gerade die Ausstellung Kabinetto. Im Gegensatz zu Ausstellungen sind Aufträge für meine Kunst eher selten.
Arbeiten tue ich lieber allein. Es könnte mir ja gar niemand helfen. Ich weiss ja selbst nicht, was ich da genau mache. Die Dinge entstehen einfach. Es fällt mir auch schwer an Gesamtausstellungen teilzunehmen, die eine bestimmtes Thema abverlangen. Oftmals verfehle ich es oder verstehe gar nicht erst, was verlangt wird. Ich mag es auch nicht, wenn man mir sagt, was ich zu tun habe. Zeichnen mag ich auch, besonders auf Zeitungen wie der NZZ oder die Zeit. Die Illustrationen sind oft ornamenthaft, so dass man damit spielen kann. Es macht mir Freude damit zu spielen. Es ist meine eigene Art. Am liebsten ist es mir, wenn ich schon etwas habe, mit dem ich arbeiten kann und nicht etwas neu erfinden muss. Fast ein wenig dilettantisch, aber nicht auf schlechte Weise. Die Kreativität bleibt dennoch erhalten. Mir persönlich ist die Kunst und kreative Freiheit sehr wichtig und ich hoffe ich konnte dies in diesem Interview auch zeigen.





