
Mathias Kaiser
(eine Fahne im Wind )
Ich wurde 1975 in „Bourgogne“ Frankreich geboren, nur 9 Minuten nach meinem älteren Bruder. So hat es angefangen, dass ich in meiner Kindheit immer an zweiter Stelle nach ihm kam. Er war in allem besser, zumindest in den Augen meines Vaters, der sehr traditionelle Vorstellungen hat und ihm der erstgeborene Sohn wichtig war. Dadurch fühlte ich mich nie wirklich Zuhause bei meiner Familie.
Mit 6 hörte ich zum ersten Mal ein „Violoncelle“ Konzert und war fasziniert, seit dem spiele ich das Instrument. Ich denke, dass es damals mein Ausweg von der Realität war, ich verlor mich manchmal stundenlang in der Musik, wenn es Konflikte zu Hause gab oder ich mich einsam fühlte.
Als ich 18 wurde, zog ich nach Paris, da es schon immer ein Traum gewesen war. Ehrlich gesagt wäre ich irgendwo hingezogen, ich mochte das kleine Dorf nie und wollte ganz unabhängig von meiner Familie neu anfangen. Mein Vater hätte mich finanziell unterstützt, wenn ich, wie er es gern gehabt hätte, studiert hätte, doch das wollte ich nicht und hatte danach wenigen Kontakt zu meiner Familie.
Ich blieb nur ein paar Jahre in Paris, es war nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte, das ganze hatte ich auch nicht ganz durchdacht. Ich war gerade erst 18 geworden und studierte auch nicht, ich war auf gut Glück planlos umgezogen. Neue soziale Kontakte zu machen und meinen Unterhalt bezahlen können war schwerer als gedacht ohne feste Jobstelle. Ich hatte mehrere kleine Jobs, die ich regelmässig wechselte und mit denen ich knapp durchkam. Für eine Zeit lang machte ich sogar Strassenmusik mit meinem Cello, allerdings verabscheute ich es, das Cello war für mich schon immer etwas Graziöses und stilvolles gewesen. Wie die Leute die Musik gar nicht beachteten und auf einen herabschauten, fand ich respektlos.
Schliesslich musste ich beschämt davon und verletzt auch dort kein Leben aufbauen aufzubauen zu können , zurück zu meinem Vater und ihn nach finanzieller Hilfe zu bitten. Er bezahlte mir eine schöne Wohnung in Lyon, damit ich, wie er wollte, dort studieren konnte. Allerdings verschlechterte sich meine Beziehung zu meinem Vater schnell wieder, als ich nach dem Studium wieder umherreisen wollte und sehen, was auf mich zukam. Schliesslich landete ich in Zürich (wo ich seither auch wohne), ich nahm eine feste Stelle an, die ich wieder kündigte, als ich versuchte meine eigene Firma zu gründen. In den folgenden Jahren war es immer das gleiche: Ich arbeitete irgendwo, kündigte dann wieder, ging für einige Monate reisen, kam wieder zurück, mit einer neuen Idee von einem Konzept oder Firma, die meistens scheitert und fange wieder von vorne an. Menschen empfinden mich als positiven Mensch, allerdings auch etwas durchgedreht, wodurch ich immer wieder das Gefühl kriege, nicht ganz ernst genommen zu werden.
Ich weiss nicht, ob es an meiner Kindheit liegt, aber ich wechsle so oft Dinge, weil ich mich nirgends 100 % Zuhause fühle und bis heute noch vergebens nach dem suche. Auch was Liebe angeht, hatte ich selten eine feste Beziehung.
Vor 4 Jahren trat ich in eine Kirche ein und seitdem gibt es mir ein gewisses Gefühl von Angehörigkeit und Stabilität. Viele meiner Bekanntschaften wunderten sich darüber, da ich zuvor nie religiös gewesen war, doch für mich war es genau die richtige Entscheidung und ich habe das Gefühl irgendwo dazu zugehören und verstanden und akzeptiert zu sein, ohne dass mich jemand verurteilt.
-Yanusha Roesch
2 Antworten auf „Suche nach dem Zuhause“
Das Motiv des Suchens kommt in diesem Poträt deutlich zum Tragen. Es ist schön, dass die porträtierte Person am Ende Menschen und einen Ort trifft, wo sie sich wohl fühlt und ein bisschen angekommen fühlt.
Das Symbolbild passt gut zum Text.