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Es wird nie so sein wie zu Hause, aber deswegen geht man ja.

Silva Durrer, 60 Jahre alt.

Seit 33 Jahren wohne ich jetzt schon in Australien. Das ist mehr als mein halbes Leben!

Dabei vermisse ich die Schweiz ehrlich gesagt überhaupt nicht, ich kann gut ohne Schnee leben. Eine Zeit lang habe ich das Essen vermisst, doch jedes Mal, wenn ich zurückkomme, ist es für mich nicht mehr so gut wie in der Erinnerung. 

Es begann alles, als ich mit 27 Jahren für sechs Monate nach Singapur ging, um dort Ferien zu machen. Jedoch bekam man als Kaufmänische Angestellte nur ein Visum für einen Monat. Also musste ich immer nach einem Monat wieder kurz ausreisen. Aus diesem Grund habe ich viele verschiedene Ausflüge nach Malaysia und Thailand gemacht. Auf diesen Reisen lernte ich einen Australier kennen, der meinte, ich solle doch mal nach Australien kommen. Daraufhin ging ich in meinen nächsten Ferien nach Australien und reiste dort umher. Während dieser Reise entwickelte sich die Freundschaft zu dem Australier zu einer Liebesbeziehung. Nach längerer Zeit mussten wir  entscheiden, wo wir wohnen wollten, in der Schweiz oder in Australien. Wir entschieden uns für Australien.

Dieser Umzug brachte natürlich viele Hindernisse mit sich.

Als Erstes der Papierkram, der sehr aufwändig war. Denn viele versuchen durch eine schnelle Heirat mit einem Australier einzuwandern. Wir brauchten darum von unseren Familien und -Angehörigen eine Bestätigung für die Behörde, dass wir wirklich geheiratet hatten und zusammenlebten.

Der Papierkrieg dauerte dann noch weitere neun Monate, in denen ich Gesundheitstests etc. vorweisen musste. Ausserdem durfte ich nicht arbeiten, hatte keine Krankenversicherung und durfte nicht aus dem Land gehen. Nach dieser Zeit bekam ich die Aufenthaltsgenehmigung und erst nach einem Jahr durfte ich die australische Staatsbürgerschaft beantragen.   

Die nächste Hürde war für mich, einen Job zu finden, da mein KV-Abschluss in Australien nicht anerkannt wird. Daraufhin habe ich mich weitergebildet, als Fashion Designerin «Dress making», bin aber später aus finanziellen Gründen trotzdem ins Büro zurückgekehrt. Momentan arbeite ich im Büro und nebenbei als Tanzlehrerin. 

Das grösste Hindernis war jedoch die Sprache. Denn ich konnte nicht gut genug Englisch, um eine normale Konversation zu führen. Manchmal wurde ich beim Einkaufen nicht bedient, weil die Verkäufer:innen mich nicht verstanden hatten. So musste ich mir immer vor dem Einkaufen die Wörter und Sätze schon zurechtlegen. Aber dank dem Fernsehen und dem Anschauen von Videos auf Englisch sowie einer sechsmonatigen Englischschule habe ich es dann doch geschafft,  mich zu verständigen

Schlussendlich würde ich es trotz der Hindernisse wieder machen, denn ich könnte es mir nicht mehr vorstellen, in der Schweiz zu leben.

Und für jeden, der auswandern will:

Wenn man es wirklich will, dann geht das auch. «Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg». Der ist wahrscheinlich nicht einfach, aber er lohnt sich. Es wird nie so sein wie zu Hause, aber deswegen geht man ja. Entweder man macht dann das Beste draus oder wenn es einem nicht passt, geht man wieder nach Hause zurück.