{"id":93,"date":"2023-07-03T09:57:57","date_gmt":"2023-07-03T09:57:57","guid":{"rendered":"https:\/\/hellmann.deutsch-kst.ch\/?p=93"},"modified":"2023-07-03T10:02:12","modified_gmt":"2023-07-03T10:02:12","slug":"93","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hellmann.deutsch-kst.ch\/?p=93","title":{"rendered":"Zu allem bereit"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Agnes Ryser (62) , leidenschaftliche Musiklehrerin und Dirigentin<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"298\" height=\"450\" src=\"https:\/\/hellmann.deutsch-kst.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Unbenannt.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-264\" srcset=\"https:\/\/hellmann.deutsch-kst.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Unbenannt.png 298w, https:\/\/hellmann.deutsch-kst.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Unbenannt-199x300.png 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 298px) 100vw, 298px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe es mir schrecklich vorgestellt. Ich war zwar furchtlos, aber angespannt. Lange z\u00f6gerte ich und wollte mich gar nicht untersuchen lassen, um die Frage zu kl\u00e4ren,ob ich Dialyse machen muss. Meine Kr\u00e4fte haben abgenommen und auch meine Hoffnung. Ich habe meinen Kopf in den Sand gesteckt und wollte der Realit\u00e4t nicht ins Auge schauen. Die Dialyse ist n\u00e4mlich ein ziemlich pers\u00f6nlicher Eingriff. Die Nieren scheiden eigentlich alle Schadstoffe und das Wasser aus, die man zum Beispiel beim Essen und Trinken einnimmt. Doch bei mir arbeiten die Nieren nicht richtig und lassen die Schadstoffe und das Wasser im K\u00f6rper. Deswegen gehe ich zur Dialyse, diese w\u00e4scht das Blut rein. Ich habe polyzystische Nieren. Das ist eine Erbkrankheit.<\/p>\n\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ich mich endlich untersuchen liess, ging alles ganz schnell. Die \u00c4rzte wollten sofort anfangen, doch ich hatte gerade wochenlang einen Sing-Workshop vorbereitet und konnte einfach noch nicht anfangen. Deshalb flehte ich die \u00c4rzte an, die Dialyse um eine Woche zu verschieben. \u00abDanach bin ich f\u00fcr alles bereit!\u00bb, sagte ich zu ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und das ging dann schlussendlich auch. Alle Pfleger*innen waren so nett und haben mir einen grossen Teil der Angst genommen. Ich habe auch einen Talisman, also einen Gl\u00fccksbringer mitgenommen. Als es dann so weit war, war mein einziger Gedanke: \u00abAugen zu und durch.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gab zuerst eine Operation. Mir wurde am Hals ein Katheder, also ein k\u00fcnstlicher Gef\u00e4sszugang, installiert und noch einen zweiten k\u00fcnstlichen Gef\u00e4sszugang f\u00fcr das gefilterte Blut. Es waren wie zwei Leitungen. Die eine zieht das Blut heraus in eine Maschine, die das Blut dann filtert, und die andere f\u00fchrt das gefilterte Blut wieder zur\u00fcck in den K\u00f6rper.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon nach der ersten Dialyse bemerkte ich einen riesigen Unterschied. Ich war fitter, weniger m\u00fcde, konnte mich endlich wieder konzentrieren und auch die Leistungsm\u00f6glichkeiten waren gestiegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach sechs Monaten musste ich eine zweite Operation machen und einen Shunt legen. Dann besteht der Zugang zum Blut nicht mehr aus einem Katheder, sondern die \u00c4rzte haben im Oberarm eine Arterie mit einer Vene verbunden. Jetzt wird jedes Mal in der Dialyse in den Shunt gestochen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine gesunde Niere filtert das Blut vierundzwanzig Stunden, doch ich kann ja nicht die ganze Zeit im Spital sein. Deswegen wird nur ein beschr\u00e4nkter Prozentsatz vom Blut gefiltert. Ich gehe dreimal in der Woche vier Stunden in die Dialyse. Meistens gehe ich von halb acht bis halb zw\u00f6lf Uhr morgens.Dabei nehme ich immer mein Laptop mit und arbeite vor Ort. Ich will n\u00e4mlich meinen normalen Arbeitstag erledigen. Das ist f\u00fcr mich sehr wichtig, da ich beim Arbeiten immer nach L\u00f6sungen suche. &nbsp;Das h\u00e4lt mich vom Gr\u00fcbeln ab. Ich arbeite n\u00e4mlich 85 Prozent an der Musikschule und zus\u00e4tzlich noch mit drei Ch\u00f6ren, also eigentlich insgesamt 120 Prozent . Ohne die Dialyse k\u00f6nnte ich das gar nicht, mir w\u00fcrde die Kraft dazu fehlen. &nbsp;Die Dialyse h\u00e4lt mich am Leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter dem Strich ist es wunderbar, dass es das Ganze \u00fcberhaupt gibt, und dass ich es auch vertrage. Ausserdem denke ich, ist es zum grossen Teil eine Einstellungssache. Wenn es mich aber trotzdem einmal angurkt, dann sage ich zu mir selbst \u201cHey Agnes, es ist super, dass es die Dialyse \u00fcberhaupt gibt und sie funktioniert. Und in anderen L\u00e4ndern gibt es manchmal Dialysestationen, die nicht einmal \u00e4rztlich betreut sind, also beschwer dich nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt bin ich unglaublich dankbar, dass ich die Dialyse machen kann und mein Leben somit weitergeht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufgezeichnet von Paula Ryser<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Agnes Ryser (62) , leidenschaftliche Musiklehrerin und Dirigentin Ich habe es mir schrecklich vorgestellt. Ich war zwar furchtlos, aber angespannt. Lange z\u00f6gerte ich und wollte mich gar nicht untersuchen lassen, um die Frage zu kl\u00e4ren,ob ich Dialyse machen muss. Meine Kr\u00e4fte haben abgenommen und auch meine Hoffnung. 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